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Vermischtes

Der »Sedo« wird 80

Kehl-Leutesheim (pr). Fritz Sedotschenko, in Kehl und Umgebung auch bestens als der "Sedo" bekannt, feiert heute, Mittwoch, 3. Dezember, bei relativ guter Gesundheit seinen 80. Geburtstag. Zusammen mit seiner Familie wohnt er seit einigen Jahren im schwiegerelterlichen Haus in Leutesheim.

Er ist eine Lichtgestalt, ein Tausendsassa, der viel erlebt hat und auch schon einiges durchmachen musste. Die Geschichte Sedos könnte ein ganzes Buch füllen. Angefangen hat sie in Wintersdorf bei Rastatt. Am 3. Dezember 1928 kam er dort als Sohn eines orthopädischen Schuhmachermeisters auf die Welt. Und schon bald schlüpfte der Nachkomme ukrainischer Vorfahren in die Fußstapfen seines früh verstorbenen Vaters: Fritz Sedotschenko wurde ebenso Schuhmacher – nachdem er eine bereits begonnene Automechanikerlehre zwangsweise abgebrochen hatte.

Sedo kam 1952 nach Kehl, übernahm dort das Geschäfts vom Schuhmacher-Lutz, dem Vater des Linxers Hugo Lutz. In dem Geschäft an der Ecke Alte Zollstraße/Goldscheuerstraße machte der junge Fritz auch Fußballschuhe. Er erfand einen Kickschuh mit sechs statt acht Ösen, ganze 180 Gramm schwer, und hielt ihn in Schönau Sepp Herberger unter die Nase. »Was macht der Schertel aus Kehl?«, hat der ihn gleich gefragt. Reich geworden mit den Kickschuhen ist der Sedo nicht. Aber: Er hat der ungarischen Fußball-Legende Ferenc Puschkas schon genau so in die Schuhe geholfen wie dem Lauterer Fritz Walter.

Zurück zum geliebten Auto kam Fritz Sedotschenko über die Heirat mit Marlies Enders, Tochter aus dem Kehler Autohaus. Sedo eröffnete die Esso-Tankstelle an der B 28. Von 1963 bis 1983 verkaufte er dort Benzin und Diesel. Ehefrau Marlies verstarb bereits 1964 plötzlich und unerwartet. Zwei Jahre später ehelichte Fritz Sedotschenko die Witwe Herlinde Hummel aus Leutesheim. Sedo hatte von einem Tag auf den anderen eine komplette Familie mit den drei Kindern Sonja, Klaus und Katja.

1968 erfüllte sich Fritz Sedotschenko in der Allensteiner Straße einen langgehegten Traum vom eigenen BMW-Autohaus. Das Geschäft brummte in den Anfangsjahren dank vieler Kunden aus Straßburg. Darunter waren auch Stars vom Racing: René Deutschmann und Gilbert Gress zählten dazu, auch die beiden Exil-Schalker Stan Libuda und Heinz van Haaren – die in der Saison 1972/73 wegen der Ergebnisschieberei in der Bundesliga beim Racing spielten.

Auf Vermittlung Sedos kam es im Juni 1973 zum legendären Fußballspiel beim Leutesheimer Sportfest zwischen den beiden Betriebsmannschaften Jaco und Sedotschenko. Bei Jaco spielten unter anderem Karl Hummel, Friedhelm Schmidt, Karlheinz Gerber und Helmut Knörle. Die Sedotschenko-Elf lief unter anderen mit René Deutschmann, Dieter Hackl und dem Schalker Starfußballer Heinz van Haaren auf. André Rey, französischer Nationaltorwart von 1977 bis 1979, spielte als Linksaußen. In der Ausgabe des Badischen Tageblatts vom 27. Juni 1973 wird nach dem 5:0-Sieg des Sedo-Teams zitiert: »Einen Teil der guten BMW-Angriffe der Racing-Spieler machte der Leutesheimer Schiri zunichte.« Gepfiffen hat damals kein Geringerer als der gute, alte Schrinner-Willi. Der wollte in seiner bekannten Gutmütigkeit bestimmt vermeiden, dass seine Litzmer und Honauer Fußballer im Spiel gegen das total überlegene Sedo-Team eine noch höhere Niederlage einfährt. Wirklich krumm genommen hat ihm das damals aber keiner, erinnert sich heute Charly Gerber.

Zurück zum Sedo: Fußball, das war sein Hobby und dann kam auch noch der Gesang dazu. Rolf Schneebigel, Sedos Freund seit einer gemeinsamen Kur in Oberstaufen, schrieb für die Auftritte des Benzin und Autos verkaufenden Tenors sogar Musikstücke. Fast zwei Jahrzehnte lang war Sedo mit Schneebigels Stadtkapelle Freistett und den Original Schwarzwaldmusikanten unterwegs.

Zu den Rückschlägen, die Fritz Sedotschenko erleiden musste, zählte die Aufgabe seines BMW-Autohauses im Jahr 1995, vier Jahre später starb dann Sohn Tom.

Sedo zog sich nach Leutesheim aufs Altenteil zurück, kümmert sich dort um Haus und Hof und wird von Frau Herlinde und den drei Kindern liebevoll umsorgt. Und wenn der Herzschrittmacher mitmacht, schwingt er sich auch gern aufs Fahrrad.





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Aktives Dorf Leutesheim, Dezember 2008