|
Vermischtes
Kein Nachfolger in der Familie:
Raumgestaltung Karch schließt nach 50 Jahren ihre Pforten
Kehl
(mmü). Gleich wenn man die Geschäftsräume in der Königsberger
Straße betritt, fällt der Blick auf einen überdimensionalen,
poppig-verschnörkelten Schriftzug: »The End« ist darauf zu
lesen. Und in der Tat geht in diesen Räumen eine kleine Ära zu
Ende: Nach über 50 Jahren hört die Firma Raumgestaltung Karch
auf zu existieren.
1959 wurde das Unternehmen von Lore und Karl Karch gegründet.
Ursprünglich in Leutesheim beheimatet, eröffnete es 1981 eine
Filiale am Läger (heute ist dort der Sitz der Firma Kleinhans).
Kurz zuvor war Jürgen Karch, der Sohn des Ehepaares und jetzige
Inhaber, in die Firma eingestiegen. Vor 18 Jahren dann
verlagerte das Unternehmen seinen Firmensitz in die Königsberger
Straße 18 im Gewerbegebiet »Läger«, wo es bis zuletzt ansässig
war.
Nun also soll Schluss sein. Doch Jürgen Karch ist weit davon
entfernt, darüber Klagelieder anzustimmen. Er hat nach eigenen
Angaben auch gar keinen Grund dazu: »Die Firma steht auf
gesunden Füßen.«
Der Grund für die Entscheidung, die er jetzt getroffen hat, ist
viel unspektakulärerer Natur: »Ich höre auf, weil ich keinen
Nachfolger in der Familie habe.« Sein Sohn tendiert eher in
Richtung Industriemechaniker. Metall gegen hochwertige
Heimtextilien, außergewöhnliche Orientteppiche, Gardinen,
Tapeten, Parkett und andere Fußbodenbeläge und Industriebeläge –
Jürgen Karch hat sich damit abgefunden, dass das nicht wirklich
zusammenpasst. Seine Antwort ist »in vielen Stufen gereift«, wie
er sagt. Und sie lautete schließlich: »Schluss!«
Karch hört mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf. Vor
allem seine Kunden wird er vermissen, sagt er. Viele sind der
Firma schon seit Jahren treu. »Da entwickelt man auch ein sehr
persönliches Verhältnis.« Es spricht viel Liebe zum Job und
Idealismus aus solchen Worten. Heute beherrschen die großen
Baumarkt-Ketten das Bild – da hat’s ein Betrieb wie seiner
schwer. Doch für ihn galt stets: Bangemachen gilt nicht. »Da
muss man sich eben abheben – durch Service, Beratung und
Qualität.«
Vor allem aber dürfte er seine Mitarbeiter vermissen. Deren
zwölf hat die Firma – viele sind schon seit Jahren dabei. »Denen
ist es zu verdanken, was aus dem Betrieb geworden ist«, sagt der
Chef. »Ich bin nur Teil der Mannschaft.« Nicht zuletzt ihnen
gilt sein Augenmerk bei der Frage, wie es weitergehen soll, wenn
der Räumungsverkauf, der noch bis Samstag läuft, beendet ist.
Viel lässt er sich da nicht entlocken – nur so viel: Man sei
»nahe dran, eine interne Lösung zu finden, die keine Jobs
kostet«.
Karch selbst wird eine Tätigkeit als Berater bei einem
internationalen Textilunternehmen übernehmen, berichtet er –
mehr will er auch dazu nicht sagen. Aber »ich bleibe der
Textilbranche treu«, versichert er. »Ich mache das mit Herzblut.
Textilien und Stoffe – das ist meine Welt.«
Quelle: Ortenau/Mittelbadische Presse; Text: Michael Müller

Foto: Michael Müller/Mittelbadische
Presse
Hochwertige Teppiche
und andere Heimtextilien – dafür war das
Raumgestaltungs-Unternehmen Karch bekannt. Jetzt hört Firmenchef
Jürgen Karch auf.
|