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Vermischtes
»Im Litzmer Ahgässel ist die Zeit
stehen geblieben«
von Jürgen Preiß
Meine schönste Ecke
ist ein kleiner, kaum wahrzunehmender Fußweg mitten in
Leutesheim: das "Ahgässel". Es verbindet die Poststraße mit der
Honauer Straße.
Auf den ersten Blick ist dieser kaum 50 Meter lange Trampelpfad
vielleicht keine Augenweide. Doch er hat es in sich. Schaut man
rein in
diesen
ausgetretenen Weg, fühlt man sich um Jahrzehnte in der
Leutesheimer Zeitgeschichte zurückversetzt. Ein regelrechtes
Idyll. Es hat sich seit dreißig, vierzig Jahren kaum was
verändert. Und das finde ich auch gut so. Wie viele Leutesheimer
sind hier schon durchgelaufen, frage ich mich. Wohl schon
einige. Früher, als man praktisch nur zu Fuß unterwegs war,
bestimmt mehr wie in den letzten Jahren. "Auch die Pfarrer haben
ihn immer benutzt, selbst wenn es regnete und sich große Pfützen
bildeten", weiß Ernst Kimmer, in Leutesheim besser als "Videl"
bekannt. Er wohnt seit fast siebzig Jahren am Eingang zu dem
kleinen Fußweg und hat Kirche und Pfarrhaus gleichermaßen
bestens im Blick. Das "Ahgässel" ist nämlich der kürzeste Weg
vom Pfarrhaus zur Kirche, ein sogenannter "Nähderli". Es schafft
ebenso eine Achse von der Kirche zum Friedhof im Langensand, der
1831 entstand. Vielleicht ist das auch der Grund für seine
Existenz. An das Ahgässel grenzen drei Anwesen an. Das vom
"Videl", die frühere Kohlenhandlung von "Jörgels" und
"S´Adlervide". Von der Honauer Straße aus gesehen hat man einen
herrlichen Blick auf die Kirche. Das erste mal aufmerksam auf
dieses tolle Motiv wurde ich durch ein Foto von Pfarrer Ulrich
Schüz.
Links steht ein mit Efeu berankter Tabakschopf. Alte Kirsch-,
Quitten- und Zwetschgenbäume, Mispeln, Haselnuss, Flieder und
"Wiedekätzle" werfen ihren Schatten in den Kiesweg. Im Frühjahr,
wenn alles blüht, schenkt diese Artenvielfalt dem Betrachter ein
farbenfrohes Bild. Rechts blickt man über einen alten Holzzaun
auf Wiesengärten. Darin fühlen sich die Truthühner und Enten vom
"Adlervide"-Walter sichtlich wohl. Der Holunder, der an
"Jörgels" Schopf so prächtig emporkletterte, machte vor kurzem
leider einschneidende Bekanntschaft mit einer Heckenschere.
Glücklicherweise treibt er aber schon wieder aus.

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