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Vermischtes
Eingemeindung von staatlicher Seite
beschlossen -
Sterbegeld für Leutesheim
Kehl-Leutesheim
(pr). Als 33-jähriger war Emil Weislogel 1975 der Benjamin im
Leutesheimer Gemeinderat. Der langjährige Filialleiter der
Volksbank in Leutesheim und Ortsvorsteher-Stellvertreter machte
mit der Gemeindepolitik im letzten Jahr Schluss. Über das, was
Leutesheim seinerzeit in puncto Gemeindereform bewegte, sprach
er mit Jürgen Preiß, Kehler Zeitung:
Bei der Anhörung der Leutesheimer Bevölkerung zur
Gemeindereform haben sich nicht mal 30 Prozent beteiligt. 63,8
Prozent davon stimmten gegen eine Eingemeindung. War das
Interesse so gering?
Weislogel: Das kann man so nicht sagen. In gehe davon
aus, dass die schweigende Mehrheit eher gegen Kehl war.
Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, dass es in der
Öffentlichkeit Fürsprecher gegen ein weiterhin selbständiges
Dorf Leutesheim gab.
Wie war die Stimmung im Dorf?
Weislogel: Man war sich einig. Es wurde auch nicht groß
diskutiert. Das meiste spielte sich im Leutesheimer Rathaus ab.
Wie verhielt sich der Gemeinderat?
Weislogel: Wir waren einstimmig gegen die Eingemeindung.
Aus welchen Gründen?
Weislogel: Zum einen waren wir der Meinung, dass unser
Dorf alleine weiterexistieren kann. Die Finanzen stimmten, die
Verwaltung funktionierte. Außerdem wollten wir Gemeinderäte die
Entwicklung in Leutesheim aktiv mitbestimmen. Uns war klar: Nach
einer Eingemeindung würde das in der bisherigen Form nicht mehr
so sein.
Letztendlich haben sie dann doch für Kehl gestimmt...
Weislogel: Ich kann mich an die Sitzung noch gut
erinnern. Bürgermeister August Karch hat dem Gemeinderat damals
mitgeteilt, dass die Eingemeindung von staatlicher Seite
beschlossene Sache ist und nicht mehr zu umgehen sei. Für uns
gab es danach zwei Möglichkeiten: Entweder mit wehenden Fahnen
untergehen oder das Unvermeidliche akzeptieren. Der Beschluss
für Kehl war dann einstimmig.
Die Eingemeindung wurde Ihnen aber noch versüßt?
Weislogel: Ja, ja, als Entscheidungshilfe bekamen wir von
Kehl 75.000 Mark. Der Gust nannte es Sterbegeld. Verwendet
wurden die Mittel für die Fertigstellung des bereits geplanten
Fußball-Hartplatzes.

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