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LeutesheimLife
Leutesheim nimmt Kurve aus dem
DSL-Desaster
Von
Marco Karch
Kehl-Auenheim/Leutesheim.
Peter Matejka aus Leutesheim ist glücklich. Im Januar hat es
endlich geklappt: Seit er den Internetanbieter gewechselt hat,
fand Matejka an seinem Computer endlich den Anschluss an die
superschnelle Datenautobahn – doch nicht etwa dank der
Stuttgarter Firma Neckarcom, bei der etliche Bürger aus
Leutesheim und Auenheim seit über sieben Monaten auf Anschlüsse
warten. Der Leutesheimer wechselte zu Vodafone.
Das britische Mobilfunkunternehmen rüstete seine in der Umgebung
liegenden Sendemasten auf eine stärkere Übertragungstechnik um.
»LTE« heißt das Zauberwort für Internet mit
Turbo-Geschwindigkeit. Peter Matejka hat die neue Technik schon
getestet. Drei Computer ließ er parallel laufen, einen via
Netzwerkkabel, die beiden anderen mit kabelloser Übertragung.
Die Geschwindigkeit sei enorm, auch Filme liefen ruckelfrei,
freute sich Matejka.
Gut für die Leutesheimer, schlecht für die Bürger in der
Nachbarschaft: Für Auenheim reicht die Übertragungsreichweite
des Sendemastes nämlich nicht aus. »Wir sind dabei, auch für
Auenheim eine Lösung zu finden«, sagt Oliver Brill. Der
Telefon-Makler und Vodafone-Mitarbeiter hat Grund zur Freude:
Seit der Funk-Ertüchtigung und einer Werbeoffensive schloss
Brill über 150 LTE-Technologie-Verträge in Leutesheim ab, auch
mit verärgerten Neckarcom-Kunden, welche die Warterei auf das
schnelle DSL satt hatten.
Doch fließen die Daten nun wirklich so blitzschnell per
LTE-Datenfunk? So manche Bürger haben ihre Zweifel, zumal der
eine oder andere Erfahrungsbericht im Internet wenig Hoffnung
macht. Der LTE-Funkmast bei Linx versorgt außer Leutesheim auch
noch Honau, Diersheim, Linx, Zierolshofen und teilweise
Bodersweier. Ist die zugesagte Bandbreite bei einer hohen
Auslastung noch gewährleistet? Vodafone-Agent Brill meint ja, es
gebe mehrere Funkmasten des Unternehmens in der Gegend, die den
Linxer Turm unterstützen. Dass angeblich nach dem Ende der
Testphase die Leistung heruntergefahren werde, stimme auch
nicht. »Lediglich abends wird eine Drosselung für die einzelnen
Nutzer aktiv, um alle gleichmäßig zu versorgen«, erklärt der
Telefon-Makler.
Von einer Drosselung hat der Leutesheimer Peter Matejka noch
nichts bemerkt. Für ihn ist Vodafone damit eine gute
Alternative. Den Neckarcom- Vertrag hat er wie viele andere
Internetnutzer im Norden Kehls gekündigt. »Zur Neckarcom werde
ich in keinem Falle zurückkehren«, sagt Matejka: »Ein
Unternehmen kann so mit Kunden nicht umgehen«.
Bei der Neckarcom dürfte derweil eine Kündigungswelle von
DSL-Verträgen eingehen, zumindest gemessen an den Erfolgen von
Konkurrent Vodafone. Die letzte große Neckarcom-Ankündigung war
im November. »Vor Weihnachten sei die Testphase«, hieß es. Doch
nichts ist passiert. Nach dem langen Hin und Her verloren
offenbar viele Kunden das Vertrauen in das Unternehmen.
»Es gab ein Problem mit dem Grundwasser, auf dem die Fundamente
installiert werden sollten«, begründet Neckarcom-Chef Jürgen
Herrmann gegenüber der Kehler Zeitung die Verzögerung. »Wir
werden nun eine andere Fundament-Technik einsetzen«. Laut dem
Geschäftsführer sollen die Richtfunkmasten in beiden Ortschaften
in der siebten Kalenderwoche (Mitte Februar) errichtet werden.
Die Betriebsbereitschaft soll laut Herrmann ab dem 5. März
getestet werden. Dies bestätigte auch die Stadtverwaltung Kehl
auf Anfrage.
In Leutesheim soll der Funkmast auf dem Gelände der
Kunststoffverpackungsfirma Jaco installiert werden. Die
Geschäftsführerin der Firma in Leutesheim, Verena Multhaupt,
bestätigte den telefonischen Kontakt mit der Neckarcom: »In den
letzten Monaten wurden wir von der Neckarcom immer wieder
vertröstet.« Es fehle noch der Vertragsabschluss zur
Flächennutzung. Laut Multhaupt strebe die Neckarcom diesen
Abschluss aber noch im Februar an. Danach könne der Funkmast
errichtet werden.

Foto: Marco Karch
Lukas König aus
Leutesheim probiert das LTE-DSL am Sendemast in Linx aus. Ganz
schön schnell, trotzdem bleiben seine Eltern noch bei der
Deutschen Telekom.
Was ist
eigentlich...
LTE?
LTE ist die
Abkürzung für Long Term Evolution. Für diese nächste Generation
des Funks wurden jene Frequenzen versteigert, die durch die
Umstellung von analogem auf digitales Fernsehen frei geworden
sind. Die Bundesnetzagentur hat die Anbieter dazu verpflichtet,
zuerst jene ländlichen Gebiete zu versorgen, wo bisher schnelles
Internet noch nicht zugänglich war. Eine Sendestation kann ein
Gebiet mit mehreren Kilometern Radius versorgen. Zum Empfang
sind Zusatzgeräte wie Router oder Antennen notwendig.
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