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LeutesheimLife

Altes Papier für finanzielles Polster

Eine Reportage von Antje Ritzert

Kehl-Leutesheim. Natürlich hatte ich mich vorbereitet. Schließlich wollte ich nicht mit leeren Händen erscheinen. Mit einem Stapel Kehler Zeitung unterm Arm, ordentlich verschnürt, mache ich mich auf den Weg. Es ist Samstag, 8 Uhr morgens.

„Die Alterskameraden sind pünktlich“, hatte mich Georg Karch gewarnt. Der Kommandant der Leutesheimer Feuerwehr ist selbst einer der Ersten vor Ort. Und in der Tat: Kurz vor halb 9 tuckern von allen Seiten Traktoren heran und binnen Sekunden hat sich der Platz neben dem Feuerwehrhaus gefüllt. Die Männer fackeln nicht lange. Mein Zeitungsbündel verschwindet im Nu in einem der beiden großen Container, die im Hof stehen. Die einzelnen Trupps sind bereits eingeteilt. Sie bestehen jeweils aus einem Fahrer und zwei oder drei Leuten, die das Papier aufladen werden. Die ganze Aktion erinnert im ersten Moment eher an einen Brandeinsatz als an eine Altpapiersammlung. Denn so schnell, wie die Männer aufgetaucht sind, sind sie auch wieder weg.
Ich entscheide mich, mit dem Trio Werner Keck, Peter Karch und Rainer Keck mitzufahren. Werner Keck ist einer der „jungen Alten“, die das Höchstalter für Feuermänner im aktiven Dienst erreicht haben und in den Altersdienst verabschiedet wurden. Altersdienst heißt so viel wie: sicherstellen, dass die Kasse immer ordentlich gefüllt ist. Damit sich die Truppe ab und zu etwas leisten kann. Einen Ausflug vielleicht, oder einen Grill-Abend. Nicht zuletzt auch, um damit die Jüngeren bei der Stange zu halten.

Keck ist berüchtigt für seinen rasanten Fahrstil. Er pest zur Nordstraße. Aha, dort liegt ein erstes Bündel am Straßenrand. Peter Karch packt es zügig und wirft es auf die Ladefläche. Ich staune, wie fit er ist. Eigentlich müsste ihm die Müdigkeit noch in den Knochen stecken, denn er war letzte Nacht im Einsatz. Ein Flächenbrand bei Bodersweier. Kurz nach 4 war er wieder zu Hause. Karch winkt ab: „Ich hab mich halt im Bett noch ein bisschen hin und her gedreht und bin dann wieder aufgestanden“, sagt er.

Unsere Route führt uns weiter in die Feldwörthstraße. Die Ladefläche füllt sich langsam. Das Papier ist meist ordentlich zusammengeschnürt oder gleich ganz in Kartons verpackt. „Es sind eigentlich immer die gleichen Leute, die etwas rausstellen“, sagt Werner Keck. Die Sammelquote hat sich über die Jahre konstant gehalten. „Obwohl es auch schon Zeiten gab, wo wir uns vom Erlös nicht mal eine Flasche Bier kaufen konnten“, erinnert sich Keck. „Das war vor sieben oder acht Jahren. Aber wir haben uns nichts anmerken lassen und trotzdem weitergesammelt.“ Zum Glück, denn die Preise sind wieder gestiegen. Nur die Konkurrenz trübt den Feuerwehrmännern die Quote: die grüne Tonne, die alle Einwohner vor der Haustür stehen haben. „Die ist halt einfach zu bequem“, sagt Keck. „Manche haben aber auch keinen Platz, um zu sammeln“, räumt er ein. Deshalb sind die Feuerwehrmänner auf die Idee gekommen, ganzjährig einen Container in den Hof zu stellen, wo die Bürger ihr Altpapier jederzeit einwerfen können.

Wir sind mittlerweile in der Ortenauer Straße angekommen. Es wird Zeit, die erste Fuhre abzuladen, denn auf dem Anhänger stapelt es sich bereits meterhoch. Werner Keck treibt seinen Schlepper zum Äußersten. Nur in der letzten Kurve, vorm Feuerwehrhaus, schwenkt er vorsichtig ein. Zum Glück, denn niemand von uns hat Lust, die Kartons einzeln von der Straße aufzulesen. Beim Ausladen bilden wir eine Schlange und reichen Bündel für Bündel durch, der Letzte stapelt die Häufchen im Container. Bei der Feuerwehr hat eben alles seine Ordnung, auch das Altpapier.

Die zweite Runde beginnen wir beim Gasthaus Sonne. Dort hat man die Kartonagen fein säuberlich zerlegt und in ein Eisengestell gepackt. Weiter geht’s in die Rheinwaldstraße, wo wir einem Kameraden-Trupp begegnen. Wir winken uns fröhlich zu. Kurz darauf kommt jedoch frischer Wind auf. Ein paar Zeitungen machen sich in der Rathausstraße selbständig und fliegen davon. Während Rainer Keck und Peter Karch nach den Papieren haschen, kämpft Werner Keck mit einem Riesen-Karton, der sich kaum von der Stelle rühren will. Es wird langsam anstrengend. Ich glaube, alle sind froh, als wir das Feuerwehrhaus dann wieder erreichen.

Hier drängelt sich bereits alles um die beiden Container. Die letzten Bündel werden hineingestopft, Plane drüber, fertig. In den zwei Stunden sind knapp zwölf Tonnen Papier zusammengekommen. Kassenwart Reinhard Hummel freut sich: „Das gibt 250 bis 300 Euro“, schätzt er. „Im Moment sind die Preise gut.“ Für eine Flasche Bier reicht es heute also allemal.




Fotos: Antje Ritzert

Verschnaufpause: Ab und zu legt der Fahrer eine Pause ein, damit sich Rainer Keck (vorn) und Peter Karch auf der Ladefläche des Anhängers ausruhen können. Knapp zwei Stunden sind die Männer dem Schlepper gefolgt und haben einen Stapel Papier nach dem nächsten aufgeladen.

 

Von „Relax days“ (etwa: Faulenzer-Tage) würde Peter Karch sicher nicht sprechen, wenn sich die Altherren-Riege der Feuerwehr-Abteilung Leutesheim auf Altpapiersammlung begibt. Etwa alle drei Monate rückt die Truppe aus, um ihre Finanzen aufzubessern. Mit Erfolg, wie sich herausgestellt hat.



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Aktives Dorf Leutesheim, April 2012