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Ortschaftsrat Leutesheim

Kieswerk-Firma will "Mittelgrundbaggersee" zwischen Auenheim und Leutesheim erweitern

Kehl-Leutesheim (pr). Der Baggersee "Mittelgrund" zwischen Leutesheim und Auenheim soll nach den Vorstellungen der Firma Sehring möglicherweise nicht nur tiefer ausgebaggert, wie bislang beantragt und auch genehmigt, sonder nun auch flächenmäßig erweitert werden.

Die Kieswerk-Firma aus Langen (450 Mitarbeiter) stellte das Konzept am Donnerstagabend im Auenheimer Bürgersaal der Öffentlichkeit vor. Die Pläne zu dem Vorhaben können im Auenheimer und Leutesheimer Rathaus in den nächsten Tagen angeschaut werden.

Der vor über 30 Jahren stillgelegte Baggersee soll um rund 70 Prozent von bislang 16 Hektar auf 27,5 Hektar Wasserfläche erweitert werden. Die Vergrößerung soll in Richtung Auenheim und in Richtung Kläranlage vorgenommen werden, hieß es in der Versammlung. Bei dem Erweiterungsgelände handelt es sich größtenteils um Waldfläche auf Auenheimer Gemarkung. Zudem soll im südlichen Bereich des Leutesheimer Gewanns "Roßwörth", westlich des Baggersees "Bündtwörth", eine Aufbereitungsanlage für Sand und Kies erstellt werden. Dafür braucht Sehring noch einmal 3,5 Hektar Gelände.

Jochen Bresch von dem mit dem Erstellen des landschaftspflegerischen Plans beauftragten Büro Mühlinghaus stellte eine ganze Reihe von Ausgleichsmaßnahmen vor: So soll das umliegende Waldwegenetz für Zwecke der Naherholung verbessert und es soll ersatzweise auch wieder kräftig aufgeforstet werden. Neue Bäume würde man auf Leutesheimer Gemarkung anpflanzen wollen. "Im Herrenwasser auf Leutesheimer Gemarkung sowie in der alten Kiesgrube bei Auenheim könnte man mit nichtverwertbaren Feinbestandteilen aus dem Mittelgrundsee Flachwasserzonen anlegen", schlug Bresch weiter vor. Die Wasserflächen dieser beiden Seen würde dadurch ein gutes Stück kleiner werden. Am Westufer des erweiterten Mittelgrundsees könnte man eine Flachwasserzone, am Nordufer mit Baumstämmen Totholzburgen zum Schutz der Fische einrichten. Denen ginge es in den letzten Jahren nicht besonders gut, so Bresch. Der Mittelgrundsee habe im jetzigen Zustand seine Tücken: Der nach Gülle riechende Schlamm auf dem Seeboden sei sehr nährstoffreich, das Wasser dadurch extrem sauerstoffarm, erklärte Bresch. Der See sei schon in geringer Tiefe umgekippt, es drohe Fischsterben. Durch die Neuaufnahme der Kiesgewinnung würde sich die Wasserqualität deutlich verbessern, versicherte der Planer.

"Nur eine Flächenerweiterung macht eine auf sechs bis 7,5 Mio. Euro geschätzte Investition an diesem See überhaupt sinnvoll", erklärte Rudolf Sehring. Ziel sei eine Jahresproduktion von mindestens 500 000 Tonnen, die zu einem großen Teil mit Rheinschiffen abtransportiert werden soll.

Dr. Manfred Schütterle wies darauf hin , dass Kieswerkerweiterungen von den Naturschutzverbänden grundsätzlich sehr kritisch betrachtet würden. Das Verfahren in Diersheim habe zum Beispiel zehn Jahre gedauert. Auch sei im Regionalplan eine Flächenerweiterung des Baggerseen Mittelgrund überhaupt nicht vorgesehen. Bürgermeister Jörg Armbruster sagte, das eine Planfortschreibung schwierig wird und mit sehr viel Ausgleich zugunsten der Natur verbunden sei. Dies sei Sehring bekannt. Trotzdem würde Armbruster allein aus finanzieller Sicht zu einer Erweiterung nicht gleich "nein" sagen wollen. Die Kiespacht fließe zu 100 Prozent den Gemeinden zu. Sie habe in Rheinau und Neuried viel Gewicht. Werner Keck, früheres Leutesheimer Ortschaftsratmitglied, warf Sehring vor, den Rat vor einigen Jahren aufs Kreuz gelegt zu haben. Damals hätte die Firma lediglich von einer Tiefenbaggerung gesprochen. "Nun lässt Sehring die Katze aus dem Sack", zürnte auch Klaus Hess. Rolf Riebs konnte nicht verstehen, dass man Auenheim zwölf Prozent des Waldbestandes wegnehmen will und neue Bäume dann auf Leutesheimer Gemarkung anpflanzt. Dies sei nicht bös gemeint, aber eine Feststellung, so Riebs. Außerdem gingen wichtige ökologische Gebiete verloren. Heinz Faulhaber stellte sich und den Anwesenden die Frage: "Was geben wir her und wofür geben wir es her?". Klaus Heidt befürchtet durch die Erweiterung eine geographische Einengung. Von der Kiespacht hätten die Leutesheimer und Auenheimer nichts, "doch das Land ist weg", erklärte das Auenheimer Ortschaftsratmitglied. "Für mich ist mein Entschluss klar", sagte Ratskollege Heinrich Stiefel, "wir verlieren schon durch das Gewerbegebiet und den geplanten Lärmschutzwall zu viel Land."

Ernst Kleinmann sagte, dass man sich nun erst in der Phase einer ersten Meinungsbildung befinde. Für Werner Müll ist das vorgestellte Projekt "der maximale Rahmen dessen, was man sich überhaupt vorstellen kann." Für ihn und auch für Sehring sei wichtig, was die Bürger über die vorgestellte Erweiterung überhaupt denken.
 




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Aktives Dorf Leutesheim, Oktober 2005