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Ortschaftsrat Leutesheim
Leutesheimer und Auenheimer Räte
sagen
»Nein« zu Kieswerkplänen
Kehl-Leutesheim
(pr). Nach
dem Willen des Ortschaftsrats Leutesheim darf das Kieswerk
Sehring keine Aufbereitungsanlage auf einem 3,5 Hektar großen
Waldgelände neben dem Mittelgrundsee bauen. In der gleichen
Sitzung hat der Ortschafsrat Auenheim abgelehnt, dass Sehring
nicht veräußerbares Material aus dem Mittelgrundsee in den alten
Prestel-See beim Auenheimer Sportplatz zur angeblichen
Verbesserung der Wasserqualität einbringt.
Sehring besitzt bereits eine Konzession zur Wiederaufnahme der Kiesausbeutung am
Mittelgrundsee in Leutesheim und zur Rheinverschiffung des Rohkieses, hat die
Förderung bislang aber nicht aufgenommen. Die Genehmigung sollte nun in
zweierlei Hinsicht erweitert werden: Zum einen will Sehring auf einer 3,6 Hektar
großen Waldfläche eine Kiesaufbereitungsanlage bauen, unter anderem zum Brechen
von Kies. Dieser Teil des Antrags betrifft Leutesheim. Des Weiteren will Sehring
nicht veräußerbares Material aus dem Leutesheimer Mittelgrundsee, wie Lehm und
Ton, auf dem Wasserweg zum benachbarten alten Auenheimer Prestelsee bringen, um
dort Flachwasserzonen zu modellieren.
"Über beide Vorhaben wird letztendlich der Umwelt- und Technikausschuss (UTA) in
Kehl befinden. Ich hoffe, dass der sich unserer Meinung anschließt", sagte
Leutesheims Ortsvorsteher Ernst Kleinmann. Die Beschlüsse der beiden Ortsgremien
wurden einstimmig gefasst. Von den rund 70 versammelten Bürgern in der
Mehrzweckhalle gab es Beifall. Kieswerkchef Rudolf Sehring verließ den Saal nach
dem Beschluss recht schnell. Astrid Groß-Königs sagte: "Wir werden den Antrag
dem UTA so vorstellen. Wenn wir weitere Gutachten über die Wasserqualität haben,
sehen wir uns wieder." Die Kehler Baubürgermeisterin hatte Sehrings Antrag im
Vorfeld befürwortet und einen entsprechenden Beschlussvorschlag gefasst. "Das
hat mich sehr gewundert", sagte Stadtrat Heinz Faulhaber bei der öffentlichen
Sitzung, "vor zwei Jahren haben sich die beiden Ortschaftsräte nämlich schon
einmal gegen das Projekt ausgesprochen", erinnerte der in Leutesheim wohnende
Faulhaber. "Müssen wir in Leutesheim ein Kieswerk bauen um den Prestel-See in
Auenheim zu sanieren? Welche Geschäfte werden mit unseren Gütern hier gemacht?
Lärm, Verkehr, Staub, hoher Flächenverbrauch - was kommt da auf uns zu?", fragte
Faulhaber in die Runde. Er sprach der Bürgerschaft damit aus dem Herzen, denn
die applaudierte heftig nach des Stadtrats Rede.
Er sei erschreckt über das Vorhaben, sagte Gerard Mercier. "Hier werden
Auenwälder zerstört, in denen 55 Tierarten leben. Das Auffüllen des Sees bei
Auenheim sei eine traurige Angelegenheit", monierte der Vertreter des
Naturschutzverbandes NABU. Dr. Manfred Schütterle erklärte, dass das geplante
Kieswerk in einem Vogelschutzgebiet liegt. Ein Eingriff würde intensivste
Prüfungen bedingen. Der Naturschützer zeigte sich davon überzeugt, dass Sehring
nach Ausschöpfen des jetzt beantragten Volumens von zwei Millionen Kubikmeter
Kies nicht locker lassen und einen weiteren Abbau forcieren werde.
Jochen Bresch von dem von Sehring beauftragten Planungsbüro erklärte: "Sehring
braucht für das Versenden von Kies mit Rheinschiffen große Vorratsflächen. Der
Leutesheimer Kies wird in 12 bis 15 Jahren abgebaut sein. Danach werden die
Anlagen rückgebaut und das Gebiet rekultiviert. Für das in Anspruch genommene
Kieswerkgelände gibt es eine hochwertige Ersatzaufforstung, die dem Anspruch
eines Auenwaldes gerecht wird. Der alte Auenheimer See wird von einer
Modellierung deutlich profitieren. In Berghaupten macht man das auch so. Mit der
Maßnahme haben wir jetzt die Möglichkeit die Relikte eines alten Kiesabbaus mit
dem heutigen Wissen zu beseitigen. Ohne einen Eingriff werden die beiden
Kieslöcher in naher Zukunft enorme Probleme bringen."
Bresch und sein Kollege Norbert Korn belegten letztere Aussage mit weit zurück
liegenden Wasserprobenahmen. Sie stammen aus den Jahren 1995 bis 1998. Bürger
Werner Steurer aus Auenheim fragte: "Ist das legitim und seriös?"
Auenheims Ortsvorsteher Werner Müll begründete die ablehnende Haltung des
Auenheimer Ortschaftsrates so: "Es gibt kaum Erfahrung mit dem Auffüllen eines
Baggersees. Der Vortrag des Planungsbüros hört sich gut an. Spricht man aber mit
anderen Fachleuten, wird man deutlich nachdenklicher", so Müll. Durch den alten
Prestelsee fließe derzeit reichlich Grundwasser. Mit dem Wasser würde auch das
Gießen-Altwasser und Dörneich-Gebiet gespeist. Hier befürchte der Rat
nachteilige Auswirkungen.
Ernst Kleinmann sagte: "Wir halten uns an die bisherigen Beschlüsse. Sehring
darf im Mittelgrundsee eine Tiefenbaggerung durchführen und den Rohkies über
Rheinschiffe abtransportieren. Einem weitern Flächenverbrauch durch eine
Kiesaufbereitungsanlage stimmen wir nicht zu."

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