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Ortschaftsrat Leutesheim
Geht es den Graskarpfen im
Leutesheimer "Roßwörth" nun engültig an die Schuppen?
Kehl-Leutesheim
(pr). Die Stadt Kehl muss möglicherweise die Jagd auf
Graskarpfen im Leutesheimer Altrheingewässer "Roßwörth"
bezahlen.
Das kündigte Naturschutzwart Christoph Münch in einem Schreiben
an das Regierungspräsidium an, von dem die Ortsverwaltung
Leutesheim Durchschrift erhielt. Ortsvorsteher Ernst Kleinmann
gab den Inhalt des Schriftstückes in der jüngsten öffentlichen
Ratsitzung bekannt.
Der Kreisverband Ortenau des Naturschutzbundes sieht demnach in
der "rechtswidrigen fischereirechtliche Bewirtschaftung eine
grobe Schädigung des unter Naturschutz stehenden Altwassers".
Laut Münch sollen sich in dem Gewässer noch zehn Graskarpfen
aufhalten.
"Die Fischart stammt aus Ostasien. Man hat sie früher
eingesetzt, um die höheren Wasserpflanzen zu dezimieren, die
infolge der Gewässerüberdüngung überall in großen Mengen
wucherten. Das hat aber nicht gut funktioniert, da die
sogenannten Graskarpfen nicht alle Wasserpflanzen gleich gerne
fressen. Außerdem scheiden sie die Nährstoffe in gut verfügbarer
Form wieder aus. Der Besatz mit diesen Fischen ist deshalb seit
geraumer Zeit verboten", informierte dazu Biologe Ingo Kramer
vom Landesfischereiverband auf Anfrage.
Laut Münch fressen die Graskarpfen den heimischen Fischarten die
Nahrungsgrundlage weg und durch die Dezimierung der höheren
Wasserpflanzen wird auch noch die natürliche Eintrübung des Sees
verringert.
Ende Oktober letzten Jahres wurde deshalb bereits durch die
Fischereiforschungsstelle Langenargen und den Staatlichen
Fischereiaufseher Felix Künemund eine kombinierte Netz- und
Elektrobefischung durchgeführt. Es wurden Netze mit einer
Gesamtfläche von 1.300 qm eingesetzt. 14 Graskarpfen mit einem
Gesamtgewicht von über 100 Kilogramm konnten entnommen werden.
"Wir gingen damals aufgrund der hohen Befischungsintensität
davon aus, dass dies mehr oder der komplette Bestand war",
berichtete Felix Künemund.
Christoph Münch bezweifelt dies nun in seinem Schreiben an das
Regierungspräsidium: "Nach Beobachtungen vom Ufer aus müssen wir
davon ausgehen, dass noch zehn weitere große Grasfische im
Gewässer befinden".
Das Alter der im letzten Jahr gefangenen Fische wurde von
Experten auf 8 bis 12 Jahre geschätzt. Von den derzeitigen
Pächtern des Fischereirechts wird das Gewässer seit 1997
bewirtschaftet. Sie hätten die Grasfische demnach als Altlast
vom zwischenzeitlich verstorbenen Vorpächter übernommen. Münch
will deshalb die Stadt Kehl als Eigentümer für die Kosten einer
neuerlichen Befischung haftbar machen. Das Ausfischen im letzten
Jahr wurde nach Auskunft des Staatlichen Fischereiaufsehers
Felix Künemund nicht weiterberechnet, "da die Aktion vom Land
beauftragt war".
Biologe Ingo Kramer ist der Ansicht, dass mit einer erneuten
großangelegten Befischung quasi mit Kanonen auf Spatzen
geschossen würde: "Das an den Haaren herbeidiskutierte Problem
mit den Graskarpfen wird sich in den nächsten Jahren von selbst
lösen, da die Fische nicht mehr besetzt werden dürfen, sich in
unseren Gefilden nicht vermehren und die Graskarpfen auf
natürliche Weise aussterben."

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