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Ortschaftsrat Leutesheim
Eine Ära geht zu Ende -
Ortsvorsteher Ernst Kleinmann hört 2014 auf
Von Antje Ritzert
Kehl-Leutesheim.
Leutesheims Ortsvorsteher Ernst Kleinmann hat angekündigt, dass
er bei den Kommunalwahlen nächstes Jahr nicht mehr als Vorsteher
kandidieren wird. Die
KEHLER ZEITUNG
hat den 63-Jährigen, der bereits zum dritten Mal in Folge die
Geschicke des Dorfes lenkt, nach seinen Beweggründen befragt.
Herr
Kleinmann, so lange Ortsvorsteher zu bleiben, bis Sie die
Radieschen von unten sehen – diese Vorstellung finden Sie wohl
nicht sehr attraktiv?
ERNST KLEINMANN: Nein,
überhaupt nicht! Man muss loslassen und den anderen etwas
zutrauen können. Meine Meinung war schon immer, dass die Jugend
nur etwas bringen kann, wenn sie gefordert wird. Und wir haben
so viele engagierte junge Leute im Dorf! Es wird sicher auch
ohne meine Person weitergehen.
Im Moment bin ich von morgens bis abends Ortsvorsteher. Das Amt
ist sozusagen mein Lebensinhalt geworden. So soll es ja auch
sein, aber ich will auch eine Zeit danach, und die einigermaßen
bei Gesundheit. Ich möchte meinen Nachfolger bei klarem Verstand
erleben und sehen, was er draus macht.
Welche Eigenschaften muss Ihr Nachfolger denn mitbringen,
damit es ihn so lange im Amt hält wie Sie?
KLEINMANN: Die Nähe zum
Bürger muss er haben. Die Leute wollen einen Ansprechpartner,
und das nicht nur stundenweise. Als ich angefangen habe, war ich
noch Betriebsleiter in einer Firma. Da bin ich oft abends nach
Hause gekommen, habe geduscht, mich umgezogen, und bin dann zu
den Sitzungen. Fehlzeiten im Betrieb musste ich mit Überstunden
und Urlaub ausgleichen. Das war schon manchmal ein ziemlicher
Spagat, und die Familie kam oft zu kurz.
Außer der Zeit muss ein Ortsvorsteher auch einen Blick für alles
mitbringen. Er darf nicht einseitig veranlagt sein. Er muss was
von Technik verstehen und von Landwirtschaft, mit Menschen
umgehen können und auch ein bisschen eine soziale Ader haben.
Seit meiner Altersteilszeit bin ich praktisch jeden Tag in Litze
unterwegs. Ich drehe fast täglich meine Runde um zu sehen, was
auf der Gemarkung so läuft. Dabei habe immer einen Zettel in der
Tasche. Wenn mir etwas auffällt, schreibe ich es mir gleich auf.
Ich krieche auch schon mal selber in den Dorfbrunnen, um zu
schauen, warum der defekt ist. Das macht bestimmt nicht jeder.
Aber genau das nenne ich Bürgernähe. Natürlich ist das kein
Muss, das kann man von niemandem verlangen. So etwas ist meine
ganz persönliche Sache und belastet mich nicht. Ganz im
Gegenteil, es macht mir richtig Spaß.
Das ist alles ganz schön viel verlangt von einem
zukünftigen Nachfolger. Gibt es in Litze überhaupt jemanden, auf
den diese Beschreibung passt?
KLEINMANN: Na ja, ich hätte
da schon jemanden im Hinterkopf. Aber ob der das machen will,
weiß ich nicht. Die Ortschaftsräte müssen jetzt halt mal zu
Potte kommen und die Bürger ansprechen, sodass nächstes Jahr
vernünftige Listen vorliegen. Meine Arbeit kann das schließlich
nicht sein, einen Nachfolger zu finden. (denkt kurz nach) Wissen
Sie, wenn jemand wie ich in Vereinen groß geworden, für den
dürfte es eigentlich überhaupt kein Problem sein, dieses
Engagement auf einer anderen Ebene fortzuführen. Aber heute
kennen oder wollen das eben nicht mehr viele.
Was werden Sie mit Ihrer vielen freien Zeit dann anfangen?
KLEINMANN: Ich werde meine
Zeit genießen und ohne Einschränkung für meine Familie und mein
Hobby – also meine Viecher – da sein. Wobei genießen für mich
nicht heißt, für sechs Wochen nach Afrika oder Australien zu
fahren. Ich reise eigentlich überhaupt nicht gerne. Wenn ich
einen Tag fort bin, kriege ich schon Heimweh. Ich habe in Litze
so ein tolles Umfeld und ein richtiges Paradies direkt vor der
Haustür. Einfach mit dem Fahrrad durch den Wald zu fahren oder
die Angelrute ins Wasser zu halten und derweil die Natur zu
beobachten, ist für mich Genuss pur.
Bis jetzt hatte ich für solche Sachen eigentlich nie richtig
Zeit. Irgendein Termin steht immer an, sodass ich mich nie einer
Sache mit Kontinuität widmen kann. Wenn wir zum Beispiel im
Sommer das Heu einholen, will ich einfach mal auf dem Traktor
sitzen und nur ans Heu denken. Und nicht im Hinterkopf haben: Um
vier hast du noch einen Termin, und dann musst du heute noch das
und das und das machen. Im „Aktiven Dorf“ werde ich sicher
weiter mitmachen. Aber auf dem Rathaus wird man mich nicht mehr
sehen.

Foto: Antje Ritzert
Will sein Amt an
einen Jüngeren abgeben: Leutesheim Ortsvorsteher Ernst Kleinmann
hat angekündigt, ab den Kommunalwahlen nächstes Jahr nicht mehr
als Rathaus-Chef zur Verfügung zu stehen.
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