.



 

 
 
  Sie sind hier:   » Startseite » Archiv » 2013 »
 


Ortschaftsrat Leutesheim

Eine Ära geht zu Ende - Ortsvorsteher Ernst Kleinmann hört 2014 auf

Von Antje Ritzert

Kehl-Leutesheim. Leutesheims Ortsvorsteher Ernst Kleinmann hat angekündigt, dass er bei den Kommunalwahlen nächstes Jahr nicht mehr als Vorsteher kandidieren wird. Die KEHLER ZEITUNG hat den 63-Jährigen, der bereits zum dritten Mal in Folge die Geschicke des Dorfes lenkt, nach seinen Beweggründen befragt.

Herr Kleinmann, so lange Ortsvorsteher zu bleiben, bis Sie die Radieschen von unten sehen – diese Vorstellung finden Sie wohl nicht sehr attraktiv?

ERNST KLEINMANN: Nein, überhaupt nicht! Man muss loslassen und den anderen etwas zutrauen können. Meine Meinung war schon immer, dass die Jugend nur etwas bringen kann, wenn sie gefordert wird. Und wir haben so viele engagierte junge Leute im Dorf! Es wird sicher auch ohne meine Person weitergehen.
Im Moment bin ich von morgens bis abends Ortsvorsteher. Das Amt ist sozusagen mein Lebensinhalt geworden. So soll es ja auch sein, aber ich will auch eine Zeit danach, und die einigermaßen bei Gesundheit. Ich möchte meinen Nachfolger bei klarem Verstand erleben und sehen, was er draus macht.

Welche Eigenschaften muss Ihr Nachfolger denn mitbringen, damit es ihn so lange im Amt hält wie Sie?

KLEINMANN: Die Nähe zum Bürger muss er haben. Die Leute wollen einen Ansprechpartner, und das nicht nur stundenweise. Als ich angefangen habe, war ich noch Betriebsleiter in einer Firma. Da bin ich oft abends nach Hause gekommen, habe geduscht, mich umgezogen, und bin dann zu den Sitzungen. Fehlzeiten im Betrieb musste ich mit Überstunden und Urlaub ausgleichen. Das war schon manchmal ein ziemlicher Spagat, und die Familie kam oft zu kurz.
Außer der Zeit muss ein Ortsvorsteher auch einen Blick für alles mitbringen. Er darf nicht einseitig veranlagt sein. Er muss was von Technik verstehen und von Landwirtschaft, mit Menschen umgehen können und auch ein bisschen eine soziale Ader haben. Seit meiner Altersteilszeit bin ich praktisch jeden Tag in Litze unterwegs. Ich drehe fast täglich meine Runde um zu sehen, was auf der Gemarkung so läuft. Dabei habe immer einen Zettel in der Tasche. Wenn mir etwas auffällt, schreibe ich es mir gleich auf. Ich krieche auch schon mal selber in den Dorfbrunnen, um zu schauen, warum der defekt ist. Das macht bestimmt nicht jeder. Aber genau das nenne ich Bürgernähe. Natürlich ist das kein Muss, das kann man von niemandem verlangen. So etwas ist meine ganz persönliche Sache und belastet mich nicht. Ganz im Gegenteil, es macht mir richtig Spaß.

Das ist alles ganz schön viel verlangt von einem zukünftigen Nachfolger. Gibt es in Litze überhaupt jemanden, auf den diese Beschreibung passt?

KLEINMANN: Na ja, ich hätte da schon jemanden im Hinterkopf. Aber ob der das machen will, weiß ich nicht. Die Ortschaftsräte müssen jetzt halt mal zu Potte kommen und die Bürger ansprechen, sodass nächstes Jahr vernünftige Listen vorliegen. Meine Arbeit kann das schließlich nicht sein, einen Nachfolger zu finden. (denkt kurz nach) Wissen Sie, wenn jemand wie ich in Vereinen groß geworden, für den dürfte es eigentlich überhaupt kein Problem sein, dieses Engagement auf einer anderen Ebene fortzuführen. Aber heute kennen oder wollen das eben nicht mehr viele.

Was werden Sie mit Ihrer vielen freien Zeit dann anfangen?

KLEINMANN: Ich werde meine Zeit genießen und ohne Einschränkung für meine Familie und mein Hobby – also meine Viecher – da sein. Wobei genießen für mich nicht heißt, für sechs Wochen nach Afrika oder Australien zu fahren. Ich reise eigentlich überhaupt nicht gerne. Wenn ich einen Tag fort bin, kriege ich schon Heimweh. Ich habe in Litze so ein tolles Umfeld und ein richtiges Paradies direkt vor der Haustür. Einfach mit dem Fahrrad durch den Wald zu fahren oder die Angelrute ins Wasser zu halten und derweil die Natur zu beobachten, ist für mich Genuss pur.
Bis jetzt hatte ich für solche Sachen eigentlich nie richtig Zeit. Irgendein Termin steht immer an, sodass ich mich nie einer Sache mit Kontinuität widmen kann. Wenn wir zum Beispiel im Sommer das Heu einholen, will ich einfach mal auf dem Traktor sitzen und nur ans Heu denken. Und nicht im Hinterkopf haben: Um vier hast du noch einen Termin, und dann musst du heute noch das und das und das machen. Im „Aktiven Dorf“ werde ich sicher weiter mitmachen. Aber auf dem Rathaus wird man mich nicht mehr sehen.




Foto: Antje Ritzert

Will sein Amt an einen Jüngeren abgeben: Leutesheim Ortsvorsteher Ernst Kleinmann hat angekündigt, ab den Kommunalwahlen nächstes Jahr nicht mehr als Rathaus-Chef zur Verfügung zu stehen.



zurück | drucken
 


Aktives Dorf Leutesheim, April 2013