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Musikverein Leutesheim
Amerika's Traum in Noten -
das Jahreskonzert 2007 der Harmonie Leutesheim
von Oscar Sala
Kehl-Leutesheim. Großes Orchester, große Leistung - mit Superlativen sollte
sparsam umgegangen werden, doch verdient ist verdient: Ein
phantastisches musikalisches Erlebnis und bestens vorbereitete
Instrumentalisten bot das Jahreskonzert des Musikvereins
"Harmonie" am Samstagabend in der Mehrzweckhalle Leutesheim.
Umso bemerkenswerter als Dirigent Dieter Baran von seinen
Musikern einiges an Blut und Schweiß bei den Proben abverlangt
hatte. Baran versteht es aber immer wieder mit viel
Fingerspitzengefühl die nötige Motivation zu vermitteln und die
Instrumentalisten in ihrem Spiel Grenzen überschreiten zu
lassen.
Der musikalische Streifzug sollte diesmal durch die Neue Welt
führen: Atmosphärische Dichte und treibende Rhythmik prägten das
Programm mit amerikanischen Kompositionen aus dem südlichen und
nördlichen Teil des Kontinents, die auf vielfältige Weise
Elemente der populären Musiktraditionen aufgriffen. Das
symphonisch anmutende "Amerika" von John Williams setzte gleich
zu Anfang die musikalische Latte recht hoch. John Williams
stellt weltweit einer der bekanntesten Komponisten von
Orchesterwerken und ist mittlerweile zur Referenz für
Musikkapellen und Orchester geworden. Das seine Beliebtheit
nicht unbegründet ist, zeigte sich in dem anschließenden Stück
"Liberty Fanfare". Komponiert wurde es zum 100-Jahr-Jubiläum der
Freiheitsstatue in New York. Und schon ging es zum nächsten
Höhepunkt, als ob bereits der Titel "Manhattan", die
Wolkenkratzermetropole, darauf hinweisen wollte. Souverän
überzeugte hier Christoph Moschberger als großer Könner an der
Trompete. Von dieser Galionsfigur der heimischen Trompetenszene
wird man bestimmt noch öfters hören. Dem Orchester gelang eine
bemerkenswerte Darbietung des anspruchsvollen Arrangements zum
Hörereignis eines staunenden Publikums.
Eine kleine Zäsur setzten zwei ungewöhnliche Werke.
Moderatoren-Duo Petra Hummel und Mario Hauß bewiesen dabei mit
ihren engagierten Kommentaren, dass Musik und das Aufzeigen von
gesellschaftlichen Missständen durchaus Hand in Hand gehen
können. Jan van der Roost "Amazonia", die auf den
Überlebenskampf der Ureinwohner Brasiliens hinweisen, ließ durch
eine beeindruckende musikalische Bildersprache aufhorchen.
Nicht minder überraschend das musikalische Hauptthema von Jay
Chattaways "Mazama" - ein Stück für die Fantasie, bei der der
Zuhörer inmitten eines alten Indianerstammes aufwacht. Ein
ungewöhnlicher Sound, eine Kapelle die zum Chor wird, Trommeln
und Tierlaute, ein zischender Vulkan - in einem Raunen huschen
die Seelen der Indianer durch die Luft. Mit dem traditionellen
Marsch "When the Saints go marching in" ging der erste
Konzertteil swingend zu Ende. Allerdings waren die Musiker des
Vereins nicht alleinigen Stars des Abend.
Die sieben junge Musiker des "Cologne Swing Assembly" erweckten
den Classic Jazz und Swing à la Benny Goodman und Lionel Hampton
zu neuem Leben. Mit viel Frische swingte das Ensemble auf
musikalisch hohem Niveau. Angetrieben durch Klavier, Bass und
Schlagzeug, gewannen die mit viel Leichtigkeit vorgetragenen
Melodienlinien von Klarinette, Vibraphon und Gitarre die Herzen
des Publikums. Bei den ruhigen Stücken zeigten die sympathischen
Musiker viel Blues und Seele. Zwischendurch konnten sie sich
solistisch austoben, was ihrem Auftritt Lebendigkeit und
Spontaneität verlieh.
Nach der Pause ging es bei der Harmonie mit bekannten Melodien
weiter. Neben den "Benny Goodman Memories", Quincy Jones
verspieltes "Soul Bossa Nova" und dem traditionellen Volkslied
"La Cucaracha" konnte Andreas Ellwarth beim einem verrauchten
"Wave" von Antonio Carlos Jobim und der junge Jaro Baran
(jüngster Sohn des Dirigenten) bei "Tico-Tico" jeweils mit
solistischen Einlagen glänzen. Das feine Gespür aller
Musikerinnen und Musiker für ein harmonisches Miteinander wurde
bei "Oblivion" des Argentiniers Astor Piazzolla besonders
deutlich. In diesem sanften und sehnsüchtigen Stück bleibt
genügend Raum für eine lyrische, besinnliche Melodie - Solist
Thomas Zink setze diese mit einem sehr empfindsamen Spiel um.
Fazit: Der Melodienreigen erwies sich nicht nur als
abwechslungsreich und hörenswert, sondern war auch voller
Überraschungen. Kurzum: vom ersten bis zum letzten Ton bekamen
die Zuhörer erstklassige Unterhaltung geboten.
Notiz am Rande: Der gewissenhaften Ausbildung, Vorbereitung und
Integration des musikalischen Nachwuchses gebühren dem
Vereinvorstand um Vorsitzender Jürgen Zeller größter Respekt und
Anerkennung. Zum Schluss erinnerten die Musiker mit "A Symphonic
Portrait" an den bekannten Komponisten Andrew Lloyd Webber -
eine Reminiszenz an den großen Meister des Musicals. Auf die
lang anhaltenden Ovationen antwortete die "Harmonie" mit zwei
Zugaben, danach sorgte das Cologne Swing Assembly für einen
unterhaltsamen Ausklang.

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