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Musikverein Leutesheim

Singender Ortsvorsteher in Leutesheim
Gelungener Ausklang beim Musikfest in Leutesheim

Kehl-Leutesheim (pr). "Kaum ist Bayern Meister, ist auch schon Kaiserwetter in ganz Deutschland", freute sich Gerhard Wagner über besucherfreundliche Temperaturen beim dreitägigen Musikfest in Leutesheim. Der Unterhaltungschef der "Harmonie" moderierte am Montagabend zum Festausklang den Auftritt der "Wiedeköpf". Und die Festgäste staunten nicht schlecht, als Ortvorsteher Ernst Kleinmann zusammen mit Ehefrau Anita bei einer Gesangseinlage zu hören waren.
Zünftige Egerländer-Musik kam von der Bühne - was ganz nach dem Geschmack war der zum Schluss noch zahlreich erschienen Festgäste.

Am Montagnachmittag war der "Harmonie"-Nachwuchs zu hören. Franz Schindler marschierte mit seinen Flötengruppen ins Zelt. Die sechs- bis achtjährigen unterhielten mit deutschen Volksliedern und internationaler Folklore. Rainer Wörner, Leiter des Jugendorchesters, hatte leichte Unterhaltungsmusik und Popsongs im Repertoire. Mario Hauß moderierte den Auftritt.

Am Sonntag wurde zunächst kräftig zum Frühschoppenkonzert geblasen. 420 Einwohner, 55 davon im Musikverein: Blasmusik hat in Honstetten bei Singen einen hohen Stellenwert. Davon konnte man sich beim Auftritt des Bodensee-Orchesters überzeugen. Die Kapelle von Vizedirigent Ronnie Keller bot zwei Stunden lang gute Unterhaltung mit viel Marschmusik, einer bayerischen Polka und auch modernen Stücken - beispielsweise ein Song-Potpourri von ABBA. Im Anschluss unterhielt zunächst die Gastkapelle aus Bottenau mit Stücken "quer durch den musikalischen Gemüsegarten", wie es Dirigent Fritz Söllner amüsant umschrieb. Der Leiter des Orchesters ist wie Dieter Baran in Leutesheim schon seit 25 Jahren in Bottenau tätig. Der Altersschnitt im 62 köpfigen Orchester reicht von 13 bis 70 Jahre. Zu hören waren die "Lustigen Holzhackerbuam", Auszüge vom Musical "Lord of the Dance", "Die Entdeckung Amerikas" von Vangelis und passend dazu auch das klassische Stück "Aus der Neuen Welt" von Dvorac - alles hervorragend intoniert. In Richtung volkstümliche Unterhaltung ging der Auftritt des Musikverein Vimbuch. Polka war hier Trumpf. Es wurden musikalische Grüße aus Böhmen überbracht - leichte Unterhaltung gerade recht zur zwischenzeitlichen Kaffee- und Kuchenzeit. Deutlich anspruchsvoller wurde es dann wieder beim Abendkonzert mit dem Musikverein Heiligenzell. Marschmusik, Polka, Musical und obendrauf noch das Badenerlied, gesungen vom Bassist der Kapelle mit kräftiger Unterstützung aus dem Festzelt: Das Gastorchester nahm die Besucher voll in Anspruch. Und im Mittelpunkt stand Helmut Doll. Der Dirigent des Musikverein Heiligenzell zog kräftig vom Leder: "Als ich vor 20 Jahren das letzte Mal hier war, wurde ich gleich von 20 Leutesheimer Frauen bezirzt", schmunzelte Dold. Im Publikum konnte man sich an den Dirigenten noch gut erinnern: Er hatte seinerzeit als "Tiger von Kuhbach" für viel Aufsehen im Dorf gesorgt - präsentierte sich am Sonntagabend beim "Comeback" aber deutlich zahmer.



Solistische Schmankerl beim Musikfest Leutesheim
Zum Auftakt des dreitägigen Musikfestes in Leutesheim wurde am Samstagabend ein unterhaltsames, dreistündiges Programm geboten. Die Gäste im gutbesetzten Festzelt waren sichtlich begeistert. Als die Stadtkapelle Oppenau den offiziellen Teil mit dem »Radezky-Marsch« beendete, wurden noch zwei Zugaben gefordert.

Am Samstagabend war zunächst die »Harmonie« Leutesheim zu hören: »Ciné-March« - ein fröhlicher französischer Marsch mit Pfeif- und Gesangeinlagen der Musiker bis zu Ohrwürmern aus den siebziger und achtziger Jahren: Die einheimische Kapelle bot bekannte Melodien, leicht und bekömmlich verpackt. Bei Songs von Elton John boten Andreas Ellwardt auf der Posaune, Claudia Hummel mit Querflöte und Trompeter André Baran solistische Schmankerl. Der Sohn des Leutesheiemr Dirigenten war zudem bei seinem Bravourstück »Teufelszunge« zu hören: Ein Erlebnis für den geneigten Zuhörer. Die Leichtigkeit mit der André Baran spielt - ein Indiz für perfekte Technik des angehenden Berufsmusikers.

Ein Teufelskerl auf der Trompete: André Baran, der Sohn des Leutesheimer Dirigenten, beim Bravourstück »Teufelszunge«

»Wir waren uns nicht sicher, ob wir "Banana Boat Song" überhaupt spielen können«, scherzte Petra Hummel, die charmante Moderatorin der »Harmonie«. Mitte der Woche hätte es für die diesbezüglich leidgeprüften »Litzmer« Musiker wettermäßig nämlich noch nicht so gut ausgesehen. Aber bei den jetzt steigenden Temperaturen würde der Titel allemal passen, meinte Petra Hummel, bevor das Orchester mit »Music« den musikalischen Höhe- und Schlusspunkt setzte: Das Stück von John Miles beindruckte mit flüsternder Stimme und überwältigendem, sattem Blech aus einem feinabgestimmten, 70-köpfigen Orchester. Mathias Kramlich und Willi Karch mit Saxophon, Trompeter Marco Ziegler und Andreas Ellwardt glänzten mit fehlerfrei vorgetragenen Solostücken.

Einen unterhaltsamen Querschnitt des Repertoires bot der »Sängerbund« Leutesheim unter der Leitung von Alexander Asberger. Der Dirigent aus Bodersweier war für die krankheitsbedingt verhinderte Nelly Martens eingesprungen. Mit Lebensweisheiten aus »Halte Deine Träume fest«, einem flotten Liebeslied mit »Herzklopfen«, einem Spiritual und auch dem älteren Song »Bist nur ein Mensch« konnte der Sängerbund musikalisch und inhaltlich überzeugen. Der deutsche Wein wurde besungen und am Schluss klagten die »Litzmer« Sängerinnen und Sänger in sehr amüsanter Weise auch ihr Leid über Schmalkost beim Essen: Kein Zucker, kein Fleisch und keine Butter - »So geht es jeden Tag«.

Reichlich Fleisch hatte hingegen die Stadt- und Kirchspielskapelle Oppenau zu bieten - freilich aus musikalischer Sicht. Der über 200 Jahre alte Musikverein aus dem Renchtal wurde zuletzt entscheidend geprägt von der Musikerfamilie Börsig. Siegfried Börsig leitete das Orchester 35 Jahre lang, 1998 übernahm Sohn Stephan den Dirigentenstab. Im Mittelpunkt des anderthalbstündigen Auftritts standen Melodienfolgen aus Verdi-Opern. »La Traviata« mit zärtlichen und kraftvollen Tönen und Aidas Krieger Radamès - von Liebe und Ruhm träumend: Die Oppenauer bestanden diesen anspruchsvollen Part mit Bravour. Weiter gings mit leichter Unterhaltung. Das Börsig-Orchester zeigte bei »Night & Day«, »I love Paris« und »True Love« wahre Liebe zur Blasmusik. »Sinatra in Concert«, ein weiterer Höhepunkt des Oppenauer Auftritts bebeisterte mit einem gutabgestimmten Posaunenregister. Marschmusik, südamerikanische Rhythmen, »Flower Power« aus den Siebzigern, Stücke aus »My Fair Lady« und Udo Jürgens mit »Aber bitte mit Sahne«.
Die Gastkapelle aus Oppenau setzte mit einem bunten Melodienstrauß ein Sahnehäubchen auf einen gelungenen musikalischen Abend beim Zeltfest in Leutesheim.

62 Jahre aktive Blasmusik - Ehrungen beim Musikfest

Außergewöhnliche Ehrung beim Musikfest Leutesheim: Karl Hummel sen. wurde für 62 Jahre aktive Mitgliedschaft im Orchester ausgezeichnet. »Harmonie«-Chef Jürgen Zeller lobte: »Er war zudem in der Vorstandschaft aktiv und hilft heute noch bei jedem Fest, unter anderem beim Arrangieren des Blumenschmucks«. Zum Ehrenmitglied ernannt wurde Werner Oberle. Der Neumühler hatte 30 Jahre lang in der Schlagzeuggruppe der »Harmonie« seinen festen Platz.
 

v. l.: Harmonieboss Jürgen Zeller, Werner Oberle, Karl Hummel und Harmonie-Vizechef Otmar Schneider.



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Aktives Dorf Leutesheim, 2001