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Ev. Kirchengemeinde Leutesheim
Visitationsgottesdienst in
Leutesheim:
Nein zu Kirchgeld - ja zu mehr Öffnung der Kirche
Kehl-Leutesheim
(pr). Mit einem Bericht und einem anschließenden Gottesdienst
endete in Leutesheim die mehrwöchige Visitation der
Kirchengemeinde. Dabei sprach Dekan Ditmar Gasse der kirchlichen
Arbeit in Leutesheim ein Lob aus: "Es läuft hier alles in
geordneten Bahnen. Wir haben einen sehr positiven Eindruck
gewonnen".
Der Dekan aus Kehl legte Zielvorstellungen dar, die von der
Visitationsgruppe und dem Kirchengemeinderat gemeinsam
ausgearbeitet worden waren. Neben Ditmar Gasse gehörten Sylvia
Bold aus Achern, Sabine Keck aus Oberkirch und Hermann Rieß aus
Goldscheuer der Visitationsgruppe an.
"Die regionale Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden Auenheim,
Bodersweier, Kork und Neumühl soll weiterhin intensiviert
werden", lautete der erste Punkt. Ditmar Gasse meinte, dass die
bislang gemeinsam durchgeführten "Gottesdienste im Grünen" und
die Weltgebetstage der Frauen sehr positiv seien und von einem
konstruktiven und vertrauensvollen Miteinander zeugten.
"Einmal im Jahr soll eine Gemeindeversammlung stattfinden."
Diese Regelmäßigkeit wurde in der Vergangenheit durch die
Vakanzzeit im Leutesheimer Pfarramt durchbrochen, beklagte
Ditmar Gasse. Der Dekan hielt es für ganz wichtig, dass alle
Gemeindeglieder die Gelegenheit erhalten sich wenigstens einmal
im Jahr zu äußern, Wünsch und Anträge zu formulieren. Der
Kirchengemeinderat sei auf der Suche nach einem geeigneten
Termin. "Es soll ein gemütlicher Treff sein, nicht formal und
auch nicht amtlich", so der Wunsch.
"Soll in Leutesheim ein Kirchgeld erhoben werden?". Die Anregung
kam aus dem Kreis der Visitationsgruppe. Ditmar Gasse sagte
eingangs, dass nur ein Drittel der evangelischen Bevölkerung
Kirchensteuer zahlt und berichtete von guten Erfahrungen beim
Kirchgeld in der Friedensgemeinde in Kehl. Die Mittel seien
zweckgebunden, so der Dekan, in Kehl hätte man sich
beispielsweise davon neue Sitzkissen und Liedertafeln
angeschafft. Der Kirchengemeinderat in Leutesheim lehnt ein
Kirchgeld aber ab, hieß es. Man befürchte, dass die
Notwendigkeit schlecht zu vermitteln sei. Vielmehr wolle man in
Leutesheim zusätzliche Einnahmen durch sachbezogene Sammlungen
und Gemeindefeste erzielen. Geld bräuchte man in Leutesheim
schon, beispielsweise für die Generalüberholung der Leutesheimer
Orgel, die in etwa fünf Jahren fällig sei. "Wenn man in
Leutesheim etwas plant und sich dafür einsetzt, erhält man auch
die Unterstützung im Dorf", meinte Hille Ziegler. In der
versammelten Gemeinde wurde die Einführung des Kirchgeldes
ebenfalls mit Skepsis betrachtet: Ein zu großer bürokratischer
Aufwand, hieß es, oder "ein Schritt zurück".
"Soll die Kirche in Leutesheim tagsüber für jedermann geöffnet
sein?" Über dieses Thema sei viel gesprochen worden, berichtete
Ditmar Gasse. Anderswo, unter anderem in der Kehler
Friedenskirche, seien damit gute Erfahrungen gemacht worden,
sagte der Dekan. Man signalisiere den Leuten "Wir freuen uns,
dass du kommst" und gebe ihnen die Möglichkeit Gedanken, Wünsche
und Bitten in ein Gebetsbuch zu schreiben. "In einem Jahr reicht
bei uns ein Buch kaum aus", so die Erfahrungen des Dekans. "Jede
katholische Kirche ist von morgens bis abends auf - warum auch
nicht das evangelische Gotteshaus in Leutesheim?", wurde von
Gemeindegliedern gefragt. Ein bisschen Skepsis gegenüber einer
generellen Öffnung war aber dennoch zu spüren - auch in den
Reihen des Kirchengemeinderates. Und so entschloss man sich die
Kirche in Leutesheim zunächst einmal versuchsweise im Advent
tagsüber zu öffnen und eine Art Kummerkasten zu installieren.
Eine Partnerschaft mit einer Gemeinde im Elsaß soll angestrebt
werden. Allerdings im Verbund mit der Kommune und Vereinen,
berichtete Ditmar Gasse weiter. Zu diesem Thema sah der Dekan
viel Kopfnicken und freudige Gesichter. Er fragte: Mögen Sie
denn die Elsässer und erntete eine breites "Ja". Angeregt wurde
von Seiten eines Gemeindegliedes auf französischer Seite im
"alten Hanauerland" bei Buchswiller zu suchen. Hille Ziegler
sagte, dass man im Kirchengemeinderat das Bedürfnis einer
Partnerschaft nicht unbedingt erkenne. "Wir haben uns gefragt:
Ist dafür genug Engagement und Energie da?", berichtete sie.
Ditmar Gasse ermutigte zu einer Partnerschaft: "Es ist sehr
schön, wenn man über den eigenen Tellerrand schaut, für mich mit
das Schönste, was ich in der Gemeindearbeit erlebe", bekräftigte
der Dekan.
Letzter und heikelster Punkt war die Anhebung der kommunalen
Beerdigungskosten. Eine Standartbeerdigung soll nach dem Willen
der Stadt 1.226 Euro gegenüber zuvor 895 Euro kosten, so Ditmar
Gasse. Dies sei eine erhebliche Steigerung, die man so in
Leutesheim nicht hinnehmen wolle. Der Dekan soll deshalb die
Stadt um eine moderatere Anpassung bitten. "Ich hoffe, dass
dieses Gespräch zu einem positiven Ergebnis führt", sagte Ditmar
Gasse.

Hille Ziegler,
Dieter Zimmer, Friedel Fuchs, Marianne Lutz, Irmgard Keck und
Stefan Reiff (von links) vom Leutesheimer Kirchengemeinderat
haben zusammen mit den Visitationsmitgliedern Sylvia Bold,
Hermann Rieß, Ditmar Gasse und Sabine Keck Zielvorstellungen für
die künftige kirchliche Arbeit mit Pfarrerin Ulrike
Schneider-Harprecht (dritte von rechts) vorgelegt.
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