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"Litze Helau!" - Fasnacht in Leutesheim

Große Stimmung und laute Lacher im »Litzmer« Hexen-Hotel

Von Christian Schäfer

Quelle: baden-online.de/Kehler Zeitung

Kehl-Leutesheim. Für einen Fremden waren es Szenen wie in dem Film »From Dusk till down«. Wer sich am Samstagabend auf den Weg in die Leutesheimer Mehrzweckhalle machen wollte, bekam am Eingang weiße Filzpantoffeln in die Hand gedrückt und fand sich in einem verhexten Hotel wieder Da spielten die Musiker der »Harmonie Leutesheim« als Köche heitere Fasnachtslieder, bis das Hotelpersonal seine Gäste dreisprachig begrüßte: auf Hochdeutsch, badischem Englisch und auf »Litzemerisch«. »Willkommen zu unserem bunten Abend im Hotel zum närrischen Wiedekopf, lassen Sie sich von unserem Programm verwöhnen, Sie werden nicht enttäuscht sein!«

Kurzweilige Show
Was in den kommenden vier kurzweiligen Stunden folgte, war die perfekte Alternative zu Fernsehen und Internet: Über 65 Leutesheimer aus verschiedenen Vereinen überraschten das Publikum mit einem urkomischen Bühnenprogramm. Da marschierte zu Beginn eine Prinzengarde durch das Hotel, dann eine Szene auf einer Baustelle. Äußerst schusselige Bauarbeiter, die mit einem chaotischen Balanceakt einen Kollegen auf die Leiter hieven wollten, brachten mit ihren artistischen Kunststücken den hilflos überforderten Kolonnenführer zur Weißglut. Die Fußballer des SV Leutesheim tanzten als interkultureller Trachtenverein, bis die Szenerie auf den Dorffriedhof wechselte.

Dort beklagte sich eine rüstige Leutesheimerin über die lang anhaltende Trockenheit. Eine weitere Klatschtante erzählte von ihrer Kur in »Bad Phfüssing« und stellte fest, dass es tatsächlich »phfurztrocken« sei. Nach und nach kamen immer mehr sonderbare Witwen hinzu und erzählten sich die tollsten Geschichten über ihre verstorbenen Ehemännert.

Inzwischen suchte ein Witwer verzweifelt eine Gießkannenbrause (»de Zaum«). Aus der Suchaktion entwickelte sich ein bizarres Musical mit dem Refrain »Ich hab de Zaum net g’häbt« unter Begleitung der Melodie von »God safe the Queen«. Die Theaterformation des Gesangvereins hatte die Lacher auf ihrer Seite und wurde gebührend mit einem mehrfachen »Litze-Helau« gefeiert.

Irgendwann gerieten nach weiteren Programmeinlagen die Hotelangestellten in helle Aufregung. »Oh nein, de Justin Bieber hätt sin Konzert bi uns abgesagt, was mache mer jetzt?«, fragte eine Angestellte. »Kein Problem, mir luege infach mol in dene Koffer, die die Musiker vun letschte Woch hän do’gelän!«, rief der Chef. So schlüpfte ein Angestellter in ein Elvis-Presley-Kostüm und seine Kollegen spielten »Rock around the clock«. Doch das war für den Hotelier noch kein Justin-Bieber-Niveau (»Es isch Fasent, da muss es fetze!«). Nach mehreren Anläufen konnten die Hotelangestellten den Saal mit »Skandal um Rosi« zum Kochen bringen.

Vergebliches Warten
Im Ballsaal warteten die Quasselstrippen Marie aus dem Elsass und Melanie aus Litze an Tisch 17 vergeblich, dass die Herren bei ihnen anrufen, um sie zum Tanzen einzuladen. Da verwickelten sich die beiden Damen in einen Dialog, der mit deftigen Gesprächsthemen über menschliche Triebe bis weit unter die Gürtellinie reichte. Dem Publikum gefiehl’s und es kam nicht mehr aus dem Grölen.

Bevor zum Finale alle Beteiligten auf der Bühne tanzten, spielte das Ehepaar Petra und Jürgen Hummel zwei betagte Frauen, die sich wegen mangelnder Geografie-Kenntnisse in die Haare kriegen. Es war allen Akteuren dank ihres souveränen Auftritts anzumerken, dass sie sich mit viel Engagement in ihrer Freizeit auf diesen Abend vorbereitet hatten. So macht Fasnacht Spaß.



 
Foto: Harmonie Leutesheim



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Aktives Dorf Leutesheim, Februar 2012