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"Litze Helau!" - Fasnacht in Leutesheim
»Litze Helau!« Die Mimram-Brücke
wurde am Fasnachts-Samstag in Leutesheim rot gestrichen
Kehl-Leutesheim (pr).
Sogar der Bundeskanzler war zu Gast am Samstagabend bei der
Fasnachtsveranstaltung des Musikvereins Leutesheim. »Die neue
Mimram-Brücke wird gestrichen«, sagte Gerhard Schröder, »und
zwar rot«.
Edgar Hummel als Regierungschef - das begeisterte die
Zuschauer in der Mehrzweckhalle restlos. Zumal neben Schröder
auch noch Außenminister Joschka Fischer (Hans Fritsche, links),
FDP-Politiker Jürgen Möllemann (Martin Karch) , CDU-Chefin
Angela Merkel (Herbert Hauß) und Edmund Stoiber auftraten. Hans
Müller mimte den bayrischen Ministerpräsidenten und forderte
Ortsvorsteher Ernst Kleinmann auf, in den rechten Block zu
wechseln. Demjenigen, dem Bundestagspräsident Thierse (Tobias
Zimmer) gerade das Wort im Bundestag erteilte, wedelten das
Publikum mit bereitgelegten Fähnchen zu: Zur Verfügung standen
gelbe, grüne und rote Tischflaggen. Und die Politiker gingen
nicht gerade zimperlich miteinander um: »Für deine Dose gibt es
nicht einmal Pfand«, sagte Schröder zu Merkel. Derlei Deftiges
war freilich so richtig nach dem Geschmack der Zuschauer. Und so
sangen sie auch bereitwillig mit bei der umgetexteten
Nationalhymne, die mehr Recht auf Freizeit forderte.
Eingestimmt wurde das Publikum von Moderator Gerhard Wagner. Der
fragte eingangs: »Habt ihr heute schon gepubst?«. Es wurde still
im Saal. »Aha, mit dieser Frage habt ihr wohl nicht gerechnet«,
lachte der Unterhaltungschef der Harmonie. Und schon war man
mittendrin in einer guten Stimmung.
Die Prinzengarde zeigte einen gelungenen Tanz. Und Marlies Stahl
ärgerte sich über das Benehmen ihres Mannes im Bad: »Man ist es
ja nicht anders gewohnt, dass man rennt, wenn der Herr im Bade
thront«, reimte Marlies Stahl gekonnt. Während sie sich die
Zehnägel lackierte, rief der Gatte nach Unterhosen und Socken.
»Das war der Vortrag für die Evangelischen«, berichtete Gerhard
Wagner über Marlies Stahl, die im Anschluss noch einen Auftritt
bei der Honauer Fasnacht hatte. Besuch von Schülerinnen einer
Klosterschule gab es am Samstagabend in Leutesheim ebenfalls.
Die Prizengarde fegte bei ihrem rockigen Vortrag durch das
Klassenzimmer.
»Grease« war Thema eines guteinstudierten Tanzes der
»Krabbelgruppe«. Und mit Kinderprogramm ging es weiter. Frei
nach »Löwenzahn« berichtete Volker Wirth über seine Probleme mit
gefräßigen Gartenbewohnern. »Vom Salat kam nichts auf den
Teller, denn die Schnecken waren einfach schneller«, hieß es.
Flugs wurden Bierfallen aufgestellt. Das nächtliche Festessen im
Beet verhinderte das nicht.
Martin Schneider und Jochen Hummel brachten ihre Vorliebe für
Obst im Bananenblues vom Äffle und Pferd zum Ausdruck. Um
Knoblauch ging es in zwei Tänzen von und mit den beiden
Heidt-Schwestern Birgit und Nicole. Beim Tanz der Vampire
behielten die gierigen Blutsauger am Schluss aber die Oberhand.
»Was ist der Unterschied zwischen einem Mann und einem Hund?«,
fragte Petra Hummel ihre Gatten Jürgen. »Der Hund kann dir den
Teppich versauen - der Mann das ganze Leben«, lautete die
Antwort. Doch Jürgen Hummel konterte in dem mit sehr viel
Applaus bedachten Dialog gekonnt: »Ein verheirateter Mann
braucht sich nicht zu schminken. Er ist genug angeschmiert«.
Hervorragend geschminkt und gut in Form war die Tanzgruppe
»Deernächt-Dancers« bei ihrer Hommage an Elvis. Die jungen Damen
mimten die Rocklegende derart gekonnt, dass vom Publikum
heftigst Zugabe gefordert wurde.
Eins draufsetzen konnten am Schluss des dreieinhalbstündigen
Programms noch der Schang und der Schängel, zwei Originale der
Litzemer Fasnacht. Gerhard Wagner erzählte Manfred Hummel von
der Frau, die froh sei, dass sie Witwe ist. »Dann weiß ich
wenigstens wo mein Mann rumliegt«. Und auf dem Autofriedhof
hätte ein Auenheimer nach den Verschrottungskosten seines
Fahrzeuges gefragt. »Wenn du drin sitzen bleibtst, nix«, lautete
Schängels Antwort.


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